Unterkühlung  

Kanutour
 

Unterkühlung

Wenn wir unterkühlen werden unsere motorischen Fähigkeiten und unser Urteilsvermögen schlechter. Wenn hier nichts dagegen unternommen wird kann das fatal sein. Unterkühlung kann uns nicht nur im Winter oder bei Temperaturen unter Minus Null Grad bedrohen, sondern kann auch während eines kalten regnerischen und windigen Tag ein Problem sein.

Die Unterkühlung wird in drei Stadien unterschieden.

Abwehrstadium

Der Körper versucht bei einer Körpertemperatur von 34 bis 37° C die Körperkerntemperatur konstant zu halten und produziert Wärme durch automatisiertes Muskelzittern. Zusätzlich ziehen sich die Blutgefäße in den Extremitäten zusammen und verringern die Durchblutung der äußeren Körperregionen. Es entsteht eine Schale, in der das kalte Blut bleibt. Ein Wärmeaustausch zwischen Schale und Körperkern findet dann kaum noch statt.

Erschöpfungsstadium

Ab einer Körpertemperatur von weniger als 34° C beginnt das Erschöpfungsstadium. Das Bewusstsein des Patienten trübt immer mehr ein. Diese Bewusstseinsstörung kann soweit gehen, dass man von Kälteidiotie spricht.

Lähmungsstadium

Sinkt die Temperatur auf weniger als 27° C ab, kommt es zur Lähmung des Patienten. Dieser wird dann schläfrig (somnolent). Es kommt zur Bewusstlosigkeit, später zu einem Atem- und Kreislaufstillstand, infolge von Herzrhythmusstörungen.

Neben einer langanhaltend niedrigen Lufttemperatur spielen auch die Wirkung kalten Wassers und des Windes (siehe Windchill) eine Rolle, indem sie die gefühlte Temperatur verringern, also einen Wärmeverlust des Körpers bedingen.

Typische Situationen, bei denen es zu einer Unterkühlung kommt, finden sich am, im und auf dem Wasser

  • Sturz ins kalte Wasser oder längerer Aufenthalt im kalten Wasser.
  • Gefährdet sind insbesondere auch im Sommer badende Kinder.
  • oder generell bei Aufenthalt in kalter Umgebung, durch
    • unzweckmäßige oder nasse Bekleidung
    • Einschlafen im Freien

Weitere Ursachen sind:

Erkrankungen, bewegungsarmes Verhalten, körperliche Überanstrengung, Schock und

Alkoholgenuss: Alkohol verstärkt und beschleunigt eine Unterkühlung, da sich hier die Blutgefäße in der Haut erweitern und der Körper umso mehr Wärme an die Umgebung abführt

Rechtzeitiges Erkennen einer Unterkühlung ist sehr wichtig!

Abwehrstadium

  • kalte, blasse Haut
  • Blauverfärbung (Zyanose; gut sichtbar an den Lippen)
  • Muskel- oder Kältezittern
  • psychische Erregung
  • Schmerzen an Händen und Füßen sowie in den Gelenken
  • vertiefte und schnelle Atmung
  • beschleunigter Puls (Tachykardie)
  • systolischer Blutdruck unter 100

Erschöpfungsstadium

  • kalte, blasse Haut
  • Blauverfärbung, beispielsweise der Lippen (Zyanose)
  • Bewusstseinstrübung
  • zunehmende Muskelstarre, Steifheit
  • flache und unregelmäßige Atmung
  • langsamer, unregelmäßiger und schwächer werdender Puls

Lähmungsstadium

  • Patient wird müde und will nur noch schlafen (unüberwindliche Schlafsucht)
  • Pupillen weit und lichtstarr
  • Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit
  • zunehmende Muskelstarre, der Patient hört auf zu zittern
  • unregelmäßige Atmung, Atemfrequenz nimmt ab, Atmung wird immer schwächer und ist kaum spürbar
  • langsamer, unregelmäßiger und schwacher Puls
  • Atem- und Kreislaufstillstand

Die Rettungskette, die eigentlich jeder kennt können wir hier aus einem einzigen Grund vergessen. Wen und womit wollen wir anrufen? Wir sind in der Wildnis und auf uns gestellt. Selbst wenn wir so genial ausgestattet sind und ein Satellitentelefon dabei haben, ist es einfach zu spät bis der Rettungshubschrauber an unserer Position eintrifft. Das ist die harte Realität. Wir sind hier die einzige Person, die helfen kann und wird.

Abwehrstadium

Befindet sich der Patient noch im Abwehrstadium

  • dann kann die nasse Kleidung des Patienten vorsichtig entfernt werden, solange er zittert.
  • bei erhaltenem Bewusstsein: warme, gezuckerte Getränke verabreichen (kein Alkohol, Kaffee oder Schwarztee).
  • gemächliche Wiedererwärmung, z. B. mit einer Wärmflasche

Erschöpfungs- oder Lähmungsstadium

Befindet sich der Patient im Erschöpfungs- oder Lähmungsstadium

  • dann darf dieser nicht mehr entkleidet werden.
  • dürfen keine Aufwärmmaßnahmen unternommen werden, weiterer Temperaturverlust ist natürlich zu vermeiden.
  • falls bewusstlos: Stabile Seitenlage
  • falls keine Atmung mehr vorhanden: Herz-Lungen-Wiederbelebung
  • dann obige Punkte befolgen
Extrem wichtig ist hier vor allem, dass die Warmhaltung des Patienten vom Körper nach außen erfolgt und nicht von den Extremitäten nach innen. Das könnte einen Herzstillstand verursachen. Praktisch ausgedrückt ist es so, dass man ohne Extremitäten überleben kann.