Ganz unbescheiden rühmt sich das Cariboo inmitten von British Columbia als eine der schönsten Gegenden in Kanada. Vielfältigkeit wird hier grossgeschrieben. Und warum auch nicht? Das Cariboo hat eine Artenvielfalt zu bieten wie man sie nicht überall findet. Betrachtet man Bücher über die verschiedenen Tierarten Kanadas so findet man sehr viele davon im Cariboo wieder und viele davon direkt vor unserer Türschwelle.
Allein über 40 verschiedene Vogelarten befinden sich hier im South Cariboo. Einige Dauergäste und viele Zugvögel, die Jahr für Jahr den Sommer und den bevorstehenden Winter ankündigen. Von mehr als 2 Jahreszeiten kann man hier auch nicht sprechen, denn das Frühjahr und der Herbst dauern nur zwischen 2 bis 4 Wochen. Mit etwas Glück auch mal länger.
Wenn Mitte bis Ende April langsam das bis zu 1 Meter dicke Eis von den Seen verschwindet und sich kleine offene Stellen im Eis bilden, dann lassen die Eistaucher (Gavia immer) nicht lange auf sich warten. Frühmorgens, noch lange vor dem ersten Hahnenschrei hört man den unverwechselbaren Ruf und man weiss, der Frühling steht vor der Tür. Mit einer grösse von bis zu 91 cm und einer Spannweite von bis zu 1,5 Meter befindet er sich in seiner Grösse zwischen dem Fischadler (Pandion haliaetus) und dem Weisskopfseeadler (Haliaeetus leucocephalus), die ebenfalls hier heimisch sind. Mancher Besucher des Landes wird durch sein nächtliches Rufen geweckt und glaubt heulende Wölfe in der Ferne zu hören. Auf unserer Website unter http://www.amr-bc.com/wildlifesounds.html sind die verschiedenen Rufe des Eistauchers zu hören und man versteht warum sich der heulende Ruf des Eistauchers aus der Ferne wie ein heulender Wolf oder Koyote anhört. Auch diese Tiere sind hier beheimatet und es ist nicht all zu weit hergeholt, die Laute des Eistauchers mit ihnen zu verwechseln.
Als ein Wappentier Kanadas findet man ihn seit 1987 auf der 1 Dollarmünze wieder.
Etwa 2 Wochen nach Eintreffen des Männchens erscheint dann auch das Weibchen und setzt sich ins gemachte Nest. Während dieser Zeit kann man die Hahnenkämpfe, die nicht immer auch solche sind, beobachten. Ab und an kommt es vor, dass sich auch zwei Weibchen während der einen Brutzeit von April bis Juni zusammentun und sich dann wundern, dass aus den gelegten 2 Eiern nach 25 bis 29 Bruttagen kein Kücken schlüpft.
Hierzulande wird der Eistaucher schlicht Loon genannt. In Kanada sind vier Arten des Eistauchers vertreten. Der Sterntaucher (Gavia stellata) ist während der Sommermonate in den nördlichsten Regionen Kanadas und Alaska beheimatet. Der Bestand ist leider deutlich am Schwinden. Noch gehören sie nicht zu den gefährdeten Arten. Der Pazifiktaucher (Gavia pacifica) Is in den Sommermonaten ebenfalls in den nördlichsten Regionen Kanadas zu finden, sein Bestand gilt allerdings als stabil. Der Gelbschnabeltaucher oder Gelbschnabel-Eistaucher (Gavia adamsii) ist der dem am meistverbreitesten Eistaucher am ähnlichsten aus der Gattung der Gaviidae. Dem Laien fällt der Unterschied wohl kaum auf. Bei genauerem Betrachten ist der gelbe Schnabel und der andersartige Halsring zu erkennen. Die beulenartige Stirn ist hingegen eher schwierig ohne ein gutes Fernglas auszumachen.
Kurz nach den Eistauchern, wenn auch der letzte Schnee verschwunden, die Frösche und Kröten wieder aus den Wäldern und dem Morast kommen, dann hört man sie auch schon von weitem. Ein Ruf wie man ihn in einem Film über Flugsaurier vermuten würde, hallt durch die Lüfte und kurz darauf kann man diese grossen Vögel von bis zu 1,2 Metern Höhe und bis zu 2,3 Metern Spannweite am Himmel sehen. Der Kanadakranich (Grus canadensis) oder manchmal auch aufgrund des englischen Begriffes „Sandhill Crane“ als Sandhügelkranich bezeichnet verweilt den gesamten Sommer in Kanada. Sie verbreiten sich auf einer Fläche, die gut und gern 20mal grösser ist als ihr Rückzugsgebiet im Winter (Mexiko, einige Teile der US-Südstaten und Florida – andere kleinere Teile der USA sind auch mit vertreten, aber kaum nennenswert).
Im Internet lassen sich verschiedene Tonaufnahmen finden, aber nichts wird dem Original gerecht. Auf unseren Reitausflügen begegnen sie uns nahezu täglich und wenn sie sich im Abstand von wenigen Metern in die Lüfte erheben, geschieht das immer unter lautem Geschrei. Absolut unverwechselbar und durch Mark und Bein gehend ist dieser prähistorische Laut. Gelegentlich bleiben sie auch einfach stehen, weil ganz in der Nähe der Jungvogel sitzt und sich so gut wie möglich in die Umgebung einpasst, um nicht entdeckt zu werden. Was für ein Schauspiel, wenn dann wie aus dem Nichts der Altvogel verletztes Tier und einfache Beute spielt, weil man dem Kleinen zu nahe kommt. Faszinierend wie sich diese grossen und scheinbar unbeholfenen Vögel um die Nachkommenschaft kümmern. Das wissen wir Vogelliebhaber ja aber von nahezu allen Vögeln zu berichten. Im Laufe des Sommers wird aus dem kleinen, eher tappsigen Jungvogel ein stattlicher Kranich und wenn der Herbst den Sommer ablöst und der Winter schon seine ersten Boten schickt, sieht man sie am Himmel für viele Minuten kreisen. Dann aufeinmal bricht einer der Vögel den Kreis und tritt den Flug nach Süden in wärmere Gefilde an, dem alle anderen folgen.
Ganzjährig findet man den Seidenschwanz (Bombycilla garrulus) um die Häuser herum und in den Wäldern, die voller Beerensträucher sind und ihnen ausreichend Futter bieten. Leider nur in den Sommermonaten findet sich der verwandte Zedernseidenschwanz (Bombycilla cedrorum) hier ein. Es ist eher schwierig die beiden zu übersehen. Der Zedernseidenschwanz ist mit 19cm der um 2cm kleinere Vogel. Interessant ist allerdings der drastische Gewichstunterschied. Während der Seidenschwanz zwischen 45 bis 70 Gramm wiegt, sind es beim Verwandten maximal 35 Gramm und wiegt somit um bis zur Hälfte weniger. Etwas irreführend sind die englischen Namen der Beiden. Wer hierzulande etwa nach einem Silktail oder Cedar Silktail fragt, wird nur in fragende Gesichter blicken. Der Seidenschwanz hört auf den Namen Bohemian Waxwing und der Zedernseidenschwanz auf Cedar Waxwing. Nur im lateinischen Namen findet sich die Namensgebung zum Seidenschwanz wieder. Der englische Name bezieht sich auf den roten Fleck in den Sekundärfedern des Flügels, der einem roten Wachstropfen ähnelt. Bohemian ist das englische Wort für Böhmen und zielt hier auf die Volksgruppe der Sinti und Roma ab, da der Vogel in Nordamerika als Wandervogel bekannt ist, der nie lange an einem Ort verweilt und ausserdem viele Nester innerhalb einer Region hat.
Wie erwähnt findet sich der Begriff Seidenschwanz nur im lateinischen Namen wieder. Dieser Begriff ist wie so oft in der Wissenschaft ein generiertes Produkt. Bombycilla stammt vom lateinischen „Bombyx“ (Seide bzw. Seidenraupe) + neulateinische Literatur „cilla“ (schwanz) ab.
Es ist unbekannt wieviele Bruten wildlebende Seidenschwänze haben. Bekannt ist jedoch, dass sie gerne in Kiefern, hoch oben in den Wipfeln ihre Nester bauen und zwischen 4 bis 6 Eier haben. Böse Zungen behaupten gerne mal, dass der Seidenschwanz ein echter Kanadier ist, weil sie wirklich nur in Ausnahmefällen in die unteren 48 US-Staaten fliegen und dann auch nur, wenn nicht genügend Beeren oder andere Nahrungsquellen nördlich der Grenze zu finden sind. Hingegen kommt der Zedernseidenschwanz nur zu Besuch zu uns und verbleibt ansonsten in den unteren 48 US-Staaten, Mexiko und Südamerika. Warum auch nicht? Selbst wir Kanadier fliegen im Winter nach Mexiko. Wer mag schon 6 - 7 Monate Winter am Stück?
Nun gut es gibt schon Vögel denen auch der längste und kälteste Winter im Cariboo Spass zu machen scheint. Der liebevoll genannte Whiskey Jack, du deutsch Kanadahäher ( Perisoreus canadensis), heisst hierzulande tatsächlich Gray Jay und ist ein über ganz Kanada und Alaska verbreiteter Spassvogel. Dass sie richtig harte Burschen sind, denen die Kälte wenig ausmacht sieht man schon allein an ihrem Nitsverhalten. Während Februar bis in den Mai haben sie ihre einmalige Brut im Jahr. Es ist nicht ungewöhnlich, wenn wir im Februar, März des nächtens Temperaturen von -30 Grad Celsius haben. Die Nadelwälder in denen sie sich in Koniferen ihre Nester bauen halten zwar die kalten Winde gut ab, aber übernachten möchte ich dort nicht müssen.
Und wie könnte es als Verwandter der Elster auch anders sein? Sie sind Diebe wie sie im Buche stehen. Nichts ist vor ihnen sicher und weil Kanadier klassische Camper sind findet man sie auf vielen Campingplätzen als Nervensägen wieder. Wer glaubt, dass sie sich mit glänzenden Dingen zufrieden geben, irrt sich. Schnell ist die raschelnde Chipstüte geleert und das unbeaufsichtigte Rührei verschwunden.
Unsere Hunde lassen gelegentlich mal etwas Futter im Napf zurück – und kaum sind sie weg, sind die Diebe auch schon da. „Lass ich mich jetzt von dem Typ da stören? Ach nö‘ ein paar Stückchen gehen schon noch.“
Keine Ahnung was sie am Hundefutter finden. Vielleicht nehmen sie es ja auch einfach nur mit und kleben es wie andere Vorräte mit einer aggressiven klebrigen Flüssigkeit an die Bäume, um genügend Vorräte für den Winter zu haben.
Ebenfalls am Futternapf findet sich der Diademhäher (Cyanocitta stelleri), englisch Steller’s Jay. Ihn hat B.C. zu seinem Landesvogel erkoren. Nicht ganz so diebisch wie der Whiskey Jack, aber dennoch ein Nesträuber, wie es in der Gattung der Corvidae nicht unüblich ist. Raben und Krähen legen dieses Verhalten bekanntlich auch an den Tag.
Fortsetzung folgt... |